Archiv der Kategorie: Schwarzwald

60. Geburtstag in Corona-Zeiten

Januar 2020: Es gibt erste Überlegungen zum Thema: Wie feiere ich meinen 60. Geburtstag im Mai diesen Jahres? Wen lade ich ein? Feiere ich am Geburtstag selbst? Am Sonntag davor und dann hinein in den Geburtstag am Montag, 18. Mai? Oder direkt am Montag?
Wie feiere ich? Lasse ich meinen Mann kochen oder erspare ich ihm den Stress? Was mache ich dann?

Februar 2020: Erste Meldungen aus China bezüglich eines Viruses erreichen uns in Deutschland. Aber – China ist weit weg. Keiner denkt daran, dass uns das tangieren wird.

März 2020: Während die Gefahr durch das Corona-Virus am Monatsanfang noch als gering und mäßig eingestuft wird, ist die Einstufung Mitte März „hoch“ und am Ende des Monats „sehr hoch“. Ab 18. März dürfen wir nur noch Geschäftsreisende und keine Touristen mehr beherbergen.
Meine Planungen für den 60. Geburtstag treten in den Hintergrund und werden ad acta gelegt.

April 2020: Bis 20.04. haben wir unser Hotel gänzlich geschlossen, auch für Geschäftsreisende. Ab 21.04. haben wir wieder geöffnet, aber nur für Übernachtungen, Frühstück gibt es keines.

Mai 2020: Die Krise ebbt zunehmendes ab, es gibt immer mehr Lockerungen. „Könnte ich meinen Geburtstag doch noch feiern?“, diese Überlegungen werden schnell zunichte gemacht. Versammlungen jedweder Art sind nicht gestattet.

Aber: Ab 15.05. sind in Hessen die Hotels wieder geöffnet. Unsere Idee: Vielleicht könnten wir ein paar Tage wegfahren und zu zweit ganz gemütlich feiern? Gesagt, getan. Die Buchung war nicht so einfach, viele Hotels hatten trotz allem noch nicht geöffnet. Aber wir fanden ein kleines, schmuckes Hotel in einem Naherholungsgebiet von Darmstadt, an einem Teich gelegen, mitten im Grünen. Dort haben wir in aller Stille den Geburtstag gefeiert. Und dann die Überraschung, die mich erwartete: mein Mann hat für mich ein Trike gemietet! Unglaublich: 3 Tage fuhren wir mit Motorrad und Trike durch die Gegend, in den Odenwald, in den Taunus.

ES HAT RICHTIG SPASS GEMACHT! undefined

Am 20.05. fuhren wir wieder nach Hause, um dort mit unseren Söhnen und deren Freundinnen sowie (Überraschung!) meinen Schwestern mit Familien bei einem gemütlichen Spargel- und Erdbeeressen zu feiern.

Viel Lärm um Nichts!

Auch nach 37 Jahren im Hotelbetrieb erlebt man Geschichten, die man kaum für möglich hält. Zwei Schwestern, Mitte 50, reisten mit dem Zug vom Niederrhein in den Schwarzwald. Sie kamen hier an, nahmen ihre Koffer in Empfang, die bereits zwei Tage vor den beiden bei uns angekommen waren, und bezogen ihre Zimmer.

Ca. 30 Minuten nach Ankunft kam eine der Schwestern zu uns und fragte, wo sie denn Mineralwasser kaufen könne. Wir zeigten ihr die Kühlschränke, die auf den Fluren stehen. Sie könne die Flaschen entnehmen, in die Getränkeliste eintragen und bei Abreise dann bezahlen. „Das ist mir zu teuer!“, war ihr Kommentar dazu. „Gibt es hier nirgends einen Supermarkt, der noch offen hat?“  Es war Samstag, daher mussten wir das leider verneinen, da unser Bäcker, der auch Lebensmittel führt, bereits geschlossen hatte. In Schiltach oder Alpirsbach gäbe es Supermärkte, die bis abends geöffnet seien, informierten wir die Dame.

Gesagt, getan, was tat nun unser Gast? Sie ging aufs Zimmer, rief ein Taxi-Unternehmen an (das muss erst einmal 15 km zu uns herfahren!), schnappte sich einen Rollkoffer und fuhr mit dem Taxi nach Schiltach. Dort füllte sie den Rollkoffer bis an den Rand mit Mineralwasser und lies sich vom Taxifahrer wieder ins Hotel fahren. Ein wirklich günstiges Mineralwasser !!!!

Die gleichen beiden Damen ließen sich von uns die Busverbindung nach Triberg zu Deutschlands höchsten Wasserfällen heraussuchen. Einen Tag später sollte der Ausflug nach Triberg in aller Frühe (ohne Frühstück!) losgehen.

Um 8:30 Uhr klingelte unser Telefon, am anderen Ende war die Mineralwassereinkäuferin. „Sie, wir stehen hier an der Bushaltestelle, aber der Bus, den Sie uns rausgesucht haben, erscheint nicht!“, schrie sie ins Telefon. „Ach, das tut mir leid! Im Internet stand die Verbindung, es gab für mich keinen Grund, daran zu zweifeln, dass der Bus fährt“, war meine Antwort.
„Wenn man vom Hotel eine Verbindung erfragt, muss man sich auch darauf verlassen können, dass die Züge und Busse fahren!“, war ihre lautstarke Antwort. Ich entschuldigte mich weiter und fragte, ob ich die Damen vom Bahnhof holen solle.

„Wir werden uns jetzt selbst um eine Verbindung bemühen,“ war ihr letzter Satz, bevor sie den Hörer auf die Gabel knallte.
Als die Damen abends von ihrem Ausflug nach Hause kamen, fragte ich nochmals nach den Busverbindungen. „Ach, der erste Bus hatte nur ein paar Minuten Verspätung“, wurde ich unterrichtet. Da kann man nur sagen: VIEL LÄRM UM NICHTS!